DOK Leipzig 28. Oktober – 3. November 2019
62. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
DOK Leipzig Film Festival

Srbenka


Srbenka




KATALOGTEXT
Der Kroatienkrieg Anfang der 1990er Jahre wirft nach wie vor lange dunkle Schatten in die Gegenwart. Ressentiments, Vorurteile und Traumata beeinflussen die Bevölkerung, sodass der Konflikt ungebrochen aktuell und schwelend scheint. „Srbenka“ beginnt mit einer Protagonistin, die berichtet, wie es war, als Serbin in Kroatien aufzuwachsen. Bereits in der Schule ist sie deswegen ausgeschlossen, beleidigt und bedroht worden. Ihr tiefer Schmerz trägt sich durch den Film und wird von den anderen Protagonisten geteilt – Serben und Kroaten gleichermaßen.

Slijepčević begleitet die Vorbereitungen einer Theateraufführung unter der Regie von Oliver Frljić. Es geht um die Ermordung eines zwölfjährigen serbischen Mädchens und ihrer Familie 1991 in Zagreb. Immer noch sind die Lager zu dieser Gräueltat gespalten und das Bühnendrama legt den Finger in die Wunde: Wieso sind die Mörder nie verurteilt worden? Wie kann es sein, dass die Ermordung eines Kindes politisch instrumentalisiert wird? Und was ist mit den vielen namenlosen kroatischen Kindern, für die niemand ein Stück schreibt? Die Proben, das Ensemble und die jugendlichen Laiendarstellerinnen ermöglichen eine rohe und emotional aufrüttelnde Spiegelung der Geschehnisse. Sichtbar wird die gesellschaftliche Spaltung und Ratlosigkeit über einen scheinbar unlösbaren Konflikt, der sich in einem seelenlosen Etikettieren von Menschen manifestiert.

Kim Busch


Nominiert für den MDR-Filmpreis


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Credits
Originaltitel: Srbenka
Land: Kroatien
Jahr: 2018
Sprache: kroatisch
Untertitel: englisch
Laufzeit: 72 min.
Format: DCP
Farbe: Colour
Regie: Nebojša Slijepčević
Produktion: Vanja Jambrović
Kamera: Nebojša Slijepčević, Bojan Mrđenović, Iva Kraljević
Schnitt: Tomislav Stojanović
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