DOK LEIPZIG 30. OKTOBER – 5. NOVEMBER 2017
60. INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR- UND ANIMATIONSFILM
DOK Leipzig Film Festival

Kommandanten – Vorsitzende – Generalsekretäre 5


Kommandanten – Vorsitzende – Generalsekretäre 5


KATALOGTEXT
Ein Programm, das aus zweierlei Richtungen befeuert wird. Zum einen schließen wir uns Faulkners Überlegung an, dass die Vergangenheit nicht tot, ja noch nicht einmal vergangen sei. Zum anderen wollen wir jene polemische These von Marx in Stellung bringen, wonach sich alle weltgeschichtlichen Tatsachen zweimal ereignen, einmal als Tragödie, das andere Mal als Farce. Trump etwa hat sich in seinem Wahlkampf bewusst mit der visuellen Rhetorik von Lenin-Plakaten kurzgeschlossen. Andere Autokraten der Gegenwart – etwa Putin oder Erdoğan – empfinden den Vergleich mit Stalin durchaus nicht als Verunglimpfung.

„Das Gegenteil von Totalitarismus ist Aufklärung“, schrieb der langjährige Volksbühnen-Dramaturg Carl Hegemann. Dagegen stehe allerdings ein offenbar existenzielles Bedürfnis nach klaren Vorgaben, Leitfiguren und Weltbildern, nach der Geborgenheit des Kindes, das sich auf seine Eltern blind verlassen kann. Und Hegemann schließt: „Es muss schon starkes Geschütz aufgefahren werden, wenn es neutralisiert werden soll.“ In diesem Sinne vertrauen wir auf die neutralisierende Kraft von Jay Rosenblatts „Scared Very Scared“ und „Die Moskauer Prozesse“ von Milo Rau. Wir sehen sie als wahrhaft starke Geschütze.

Ralph Eue

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Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautorinnen und -autoren geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig 2017 müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Alle anderen nicht namentlich gekennzeichneten Beiträge sind Produktionsmitteilungen.