DOK LEIPZIG
INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR– UND ANIMATIONSFILM
DOK Leipzig Film Festival

Shoulder the Lion


Shoulder the Lion




KATALOGTEXT
Der Mensch kann seine Augen schließen, den Gehörgang aber nie. Für den Musiker Graham bedeutet diese schlichte Tatsache das Karriereende. In seinem Kopf hat sich ein krankhafter Lärm eingenistet, der nie verstummt. Alice, die Fotografin, erblindet infolge eines Netzhautleidens. Und Katie, dritte Protagonistin dieses erstaunlichen Films über die Widerstandskraft des menschlichen Geistes, wird in ihrem ersten Profikampf als Boxerin in ein Koma geprügelt, aus dem sie Wochen später ohne jede Erinnerung erwacht (verfilmt in „Million Dollar Baby“). Reset!

Eine bildstarke Reise in die innere Welt von Menschen, die schwerste Sinnesverluste hinnehmen mussten. Dabei setzt das Regieduo Erinnisse und Patryk Rebisz auf visuelle Stilisierung der Sinne, um jedem Drama seine Bildentsprechung zu geben. Die erblindete Alice arbeitet weiter mit der Kamera, wobei die Speicherkarte ihres Gedächtnisses Erfahrungswerte für die neuen Fotografien liefert. Das Gehirn der Ex-Boxerin dagegen produziert immer neue, ihr unbekannte Bilder, die sie schließlich zur Malerei führten. Und Graham, dem seine Band das Leben bedeutete, erfindet sich, wenn auch erwartungslos, als Stage Manager eines Musikfestivals neu. Am Ende dieses erzählerisch mutigen und visuell ungewöhnlichen Films steht die Bewunderung für die Fähigkeit unserer Spezies, persönliche Krisen in Erkenntnis und Neuanfang zu verwandeln. Jedenfalls manchmal.

Matthias Heeder
Credits
Originaltitel: Shoulder the Lion
Land: Irland, Polen, USA
Jahr: 2015
Sprache: englisch
Untertitel: keine
Laufzeit: 74 min.
Format: HD Videofile (QT H.264 1080p)
Farbe: Colour
Regie: Erinnisse Rebisz, Patryk Rebisz
Produktion: Erinnisse Rebisz, Patryk Rebisz
Kamera: Patryk Rebisz
Schnitt: Erinnisse Rebisz
Ton: Keller McDivitt
Musik: Graham Sharpe, Colin Stetson, The Eskies
KONTAKT


Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautorinnen und -autoren geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig 2017 müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Alle anderen nicht namentlich gekennzeichneten Beiträge sind Produktionsmitteilungen.