DOK LEIPZIG 30. OKTOBER – 5. NOVEMBER 2017
60. INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR- UND ANIMATIONSFILM
DOK Leipzig Film Festival

Nachlass


Nachlass




KATALOGTEXT
Adi Kantor zeigt uns Fotos, die sie in Auschwitz geschossen hat – von den hoch umzäunten Lagertrassen, von der Barrikadensiedlung. Dabei klickt sie durch die Ansicht auf ihrem Computer und landet bei Party-Bildern aus Krakau. Die erhobenen Hände mit Biergläsern seien wie eine siegreiche Geste, ganz so, als hätte man etwas hinter sich gebracht, meint die Historikerin, die Führungen durch das Berliner Dokumentations- und Aufarbeitungszentrum „Topographie des Terrors“ gibt, und deutet auf das Bild. In der Kontrastierung dieser Fotos, die so umstandslos aufeinanderfolgen, bringt sich Christoph Hübners und Gabriele Voss’ Film selbst auf den Punkt: Wie sind die Anschlüsse zwischen damals und heute denkbar? Wie setzt sich die Schuld der Täter in den folgenden Generationen fort? Welche Gefühle tragen die Kinder und Enkel der Täter und Opfer in sich – bewusst oder unbewusst?

Die Erinnerungskultur an das Naziregime und den Holocaust ist nicht nur eine Frage der öffentlichen Bewusstseinspflege durch Mahn- und Denkmäler, durch Ausstellungen und Museen. Sie steht auch in vielfältigen und je spezifischen privaten Auseinandersetzungen auf dem Spiel. „Nachlass“ gibt uns die Ahnung eines Gefühls dafür, wie schwer ein Foto des eigenen Vaters in SS-Uniform wiegen kann.

Lukas Stern


Nominiert für Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts

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Credits
Originaltitel: Nachlass
Land: Deutschland
Jahr: 2017
Sprache: deutsch
Untertitel: englische
Laufzeit: 108 min.
Format: DCP
Farbe: Colour
Regie: Christoph Hübner, Gabriele Voss
Produktion: Christoph Hübner Filmproduktion
Kamera: Christoph Hübner
Schnitt: Gabriele Voss
Musik: Gilad Hochman
Ton: Stefan Korte
Buch: Christoph Hübner, Gabriele Voss
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Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautorinnen und -autoren geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig 2017 müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Alle anderen nicht namentlich gekennzeichneten Beiträge sind Produktionsmitteilungen.