DOK LEIPZIG 30. OKTOBER – 5. NOVEMBER 2017
60. INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR- UND ANIMATIONSFILM
DOK Leipzig Film Festival

Burka Songs 2.0


Burka Songs 2.0


KATALOGTEXT
Nach einer landesweiten Diskussion wurde in Frankreich das Tragen einer Gesichtsverschleierung 2011 gesetzlich verboten. Die Befürworter argumentierten, sie stehe im Gegensatz zu den Werten der Republik: Geschlechtergleichheit und Freiheit von religiösem Zwang. Die schwedische Filmemacherin Hanna Högstedt hält das für populistische Symbolpolitik und beschließt, eine Performance auf der Avenue des Champs-Élysées durchzuführen, bei der sie sich filmen lässt: Bekleidet mit einer schwarzen Burka, singt sie aus vollem Hals die französische Nationalhymne.

Die Reaktionen sind anders als erwartet. Mit „Burka Songs 2.0“ arbeitet Högstedt auf, was während der Aufnahmen geschah und welche Überlegungen dies bei ihr auslöste. Sie beschreibt, wie schwierig es ist, sich zu einer als verlogen empfundenen, um die Stammtische buhlenden Politrhetorik zu verhalten, ohne selbst in den Strudel der Zuschreibungen gezogen zu werden. Sie realisiert, dass sie auf ihre Fragen keine befriedigenden Antworten findet und entscheidet sich, ihre Ratlosigkeit zum Ausgangspunkt dieses Films zu machen. Im Gespräch mit Menschen, die im Alltag – ohne jede Absicht zur Provokation – Rassismus erfahren, ändert sich Högstedts Perspektive. Nach und nach arbeitet sich die Schwedin an der Ambivalenz des Themas ab und kommt schließlich zu der Erkenntnis, dass auch ihr eigenes Handeln nicht frei von Anmaßung war – und ist.

Luc-Carolin Ziemann

/

/
Credits
Originaltitel: Burka Songs 2.0
Land: Schweden
Jahr: 2017
Sprache: englisch, französisch, schwedisch
Untertitel: englische
Laufzeit: 45 min.
Format: DCP
Farbe: Colour
Regie: Hanna Högstedt
Produktion: Hanna Högstedt, Archana Khanna
Kamera: Annika Busch, Maja Kekonius
Schnitt: Hanna Högstedt, Annika Ivarsson
Ton: Gustaf Berger
Buch: Hanna Högstedt
KONTAKT

Share this Film

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautorinnen und -autoren geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig 2017 müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Alle anderen nicht namentlich gekennzeichneten Beiträge sind Produktionsmitteilungen.