DOK Leipzig 28. Oktober – 3. November 2019
62. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
DOK Leipzig Film Festival

Über Leben in Demmin




KATALOGTEXT
„Es sind ja keine schönen Erinnerungen, keine lustigen Erinnerungen. Und eigentlich hat man die Zeit ja begraben.“ Zwischen dem 30. April und dem 4. Mai 1945 kommt es in der pommerschen Kleinstadt Demmin zu einem Massensuizid mehrerer Hundert Zivilisten. Zwischen ideologischer Leere und der Angst vor der Roten Armee ist Verzweiflung. Ganze Familien gehen ins Wasser, erhängen oder vergiften sich. Den alten Demminern, die Martin Farkas besucht, ist die Nervosität noch immer anzumerken: Kaum eine Hand bleibt während des Gesprächs ruhig – man reibt sie am Rock oder zippelt irgendwo anders herum. Ein Bewohner schildert die Vollkommenheit der Stadt vor dem Krieg und die „Flickschusterei“, die nach seinem Ende eingesetzt habe und bis heute andauere. „Flickschusterei“ wiederum ist kein schlechter Begriff für das, was in Demmin geschieht und wofür Farkas in seinem Film nach Bildern sucht. Da sind die Rechten, welche die Folgen der Massenhysterie als Anlass für einen jährlichen Trauermarsch am 8. Mai, dem Tag der deutschen Kapitulation, missbrauchen. Da stehen die Bürger Demmins, die sich teils angewidert, teils desinteressiert abwenden. Da gibt es Gegendemonstranten und einige Zeitzeugen, die nach mehr als 70 Jahren zum ersten Mal über ihre Erinnerungen sprechen.

Carolin Weidner


Nominiert für Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts

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Credits
Originaltitel: Über Leben in Demmin Land: Deutschland Jahr: 2017 Sprache: deutsch Untertitel: englische Laufzeit: 90 min. Format: DCP Farbe: Colour Regie: Martin Farkas Produktion: Annekatrin Hendel Kamera: Roman Schauerte, Martin Farkas, Martin Langner Schnitt: Jörg Hauschild, Catrin Vogt Musik: Mathis Nitschke Ton: Moritz Springer, Urs Krüger Buch: Martin Farkas

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