DOK Leipzig 28. Oktober – 3. November 2019
62. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
DOK Leipzig Film Festival

Coal Heap Kids






KATALOGTEXT
Im klassischen Hollywood gab es dieses Produzenten-Bonmot, dass ein großer Film mit einer Explosion beginnen müsse, damit sich die Sache dann kontinuierlich steigern könne. Dieser Film, angesiedelt im ehemaligen Kohlerevier Nordfrankreichs, beginnt gleich mit sechs Explosionen. Es sind zwar nur China-Böller, die die beiden Brüder Théo (10) und Loïc (15) da hochgehen lassen, aber nichtsdestotrotz ist damit schon nach zehn Sekunden klar, dass es hier um Großes geht. Das Große ist die Armut, die Théos und Loïcs Wohnort Lens heimgesucht und sich in alle Ritzen des Persönlichen und Sozialen hineingefressen hat wie eine aggressives Säure. Früher wäre es statthaft gewesen, diesen Jungs eine glorreiche Zukunft als Working Class Heros vorauszusagen. Aber wer wollte heute dieses ethisch aufgeladene und von der Zeit überholte Vorbild noch einem jungen Menschen anempfehlen wollen?!? Oder können!?!

„Coal Heap Kids“ ist entstanden als Beitrag für die Dokumentarfilmreihe „Infrarouge“ des französischen Fernsehens. Die Energie, die ihn speist, ist jedoch von purer kinematografischer Natur. Was das heißt? Ein Film wie dieser rechtfertigt das Überleben des dokumentarischen Kinos. Wenn so ein Satz erst einmal dasteht, geht vieles schon leichter. Denn für den Fall, dass ein großes Herzklopfen sich nicht geradewegs in sachliche Worte übersetzen will (oder kann), braucht es manchmal einfach eine Umarmung!

Ralph Eue

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Credits
Originaltitel: Enfants du terril Land: Frankreich Jahr: 2016 Sprache: französisch Untertitel: englische Laufzeit: 52 min. Format: HD Videofile (ProRes 422 HQ 1080p) Farbe: Colour Regie: Frédéric Brunnquell Produktion: Anne Gintzburger Kamera: Frédéric Brunnquell Schnitt: Laure Matthey Ton: Marc Soupa Buch: Frédéric Brunnquell, Anne Gintzburger

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautorinnen und -autoren geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig 2019 müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber stattfinden. Die Bildrechte liegen beim jeweiligen Rechteinhaber.