DOK LEIPZIG 30. OKTOBER – 5. NOVEMBER 2017
60. INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR- UND ANIMATIONSFILM
DOK Leipzig Film Festival

Postcards from the Verge


Postcards from the Verge




KATALOGTEXT
In seinen Mitteilungen aus der Randzone übersetzt Sebastian Mez das Unfassbare in eine außergewöhnliche und strenge Komposition von feinen Zwischentönen. „Postcards from the Verge“ nähert sich einer konkreten Wirklichkeit an, die das Faktische nicht mehr braucht, weil sie brutal für sich steht. Die Mauer an der israelisch-palästinensischen Grenze trennt als leuchtende, unnatürlich gerade Linie unerbittlich die wild gesprenkelte, felsige Naturlandschaft, verbarrikadiert den urbanen Raum, betont mit Durchgängen die Separation.

Der Film bietet künstlerisch Ordnungsprinzipien an, die Rätsel aufgeben und – teilweise fast physisch erlebbar – mit der Ambivalenz der Wahrnehmung spielen. Gekaschte Bildränder deuten mal den geschützten, alles sehenden Blick eines Beobachtungspostens an, mal beengen sie unnachgiebig die Sicht. In der Weite einer Panoramaeinstellung versteckt sich ein Panzer. Menschen in Miniaturgröße ziehen in der Ferne durchs Bild – zielgerichtet zwar, aber wohin? Das vierte der insgesamt fünf Kapitel trägt den Titel „Vivid Memory“. Im Kontrast zu den scharfen, klaren Bildern davor und danach schaffen hier Überblendungen surreale Landschaften, Bewegungsschlieren und Fotoserien verharren am Rand zum Filmischen, ein elektronischer Noise-Teppich erhebt sich mit fast sinfonischem Klang. Erinnerung braucht eine Form der Unschärfe, um deutlich und lebendig zu werden.

André Eckardt

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Credits
Originaltitel: Postcards from the Verge
Land: Deutschland
Jahr: 2017
Sprache: arabisch, hebräisch
Untertitel: englische
Laufzeit: 72 min.
Format: DCP
Farbe: B&W
Regie: Sebastian Mez
Produktion: Sebastian Mez
Kamera: Sebastian Mez
Schnitt: Sebastian Mez
Musik: Sebastian Mez, Thomas Köner, John Chantler
Ton: Sebastian Mez
Buch: Sebastian Mez
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Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautorinnen und -autoren geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig 2017 müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Alle anderen nicht namentlich gekennzeichneten Beiträge sind Produktionsmitteilungen.